
Das Archivprogramm »IFFF packt aus« birgt Schätze aus dem Festivalarchiv und stellt sie einem transgenerationalen Publikum vor. Ziel ist es, das feministische Filmerbe sichtbar zu machen und seine Bedeutung ins Hier und Jetzt zu tragen. Das Festival lädt jedes Jahr eine Kollegin als Gastkuratorin ein, in die Tiefen des Festivalarchivs zu steigen.
Für die Filmemacherin Biene Pilavci sind die Übergänge von persönlichem zu politischem Widerstand fließend. Ob in ihren Dokumentarfilmen oder in der kuratorischen Arbeit – ihrem scharfen Blick für subtile Machtspiele patriarchaler Gewalt in Bezug auf weibliche Sexualität entgeht auch nicht das kleinste Detail. Diesen Blick richtete sie mehrere Tage auf die Festivalfilmsammlung, um sich schließlich für einen Meilenstein der deutschen Filmgeschichte zu entscheiden: Shirins Hochzeit.
Zum Film: Ein Dorf in Anatolien in der Türkei. Die junge Shirin soll gegen ihren Willen verheiratet werden. Sie flieht nach Köln. Als »Gastarbeiterin« versucht sie, zwischen Fabrikarbeit, Wohnheim und Tanzbars für »Gastarbeiter*innen« in Deutschland Fuß zu fassen. Sie begegnet einem Mann, dem sie vertraut, ohne zu wissen, auf wen sie sich einlässt. Auf der Tonebene treten die Filmemacherin Helma Sanders-Brahms und Shirin in einen Dialog. Zwischen erzählerischer Annäherung und Schuldzuweisung werden Machtverhältnisse verhandelt. Der Film gilt als der erste, der aus der Perspektive einer weiblichen »Gastarbeiterin» erzählt wird.
| Regie | Helma Sanders-Brahms |
|---|---|
| Besetzung | Ayten Erten, Jürgen Prochnow, Janis Kyriakidis, Aras Ören, Aliki Georgouli, Peter Franke, Hans Peter Hallwachs, Ortrud Beginnen |
| Produktion | BRD 1976 |
| Länge | 121 Min |
| Sprachfassung | OmeU |
| FSK | 16 |
Gast: Biene Pilavci, die auch mit ihrem eigenen preisgekrönten Dokumentarfilm Alleine Tanzen in der Sektion begehrt! vertreten ist