
Kurzfilmprogramm
Bevor eine Idee zu uns gehört, probieren wir sie aus. Eine Frisur, einen Gang, eine Haltung. Aus einer Rolle wird eine Figur, aus der Figur ein Selbst, und aus dem Selbst jemand, den andere wiedererkennen. So entstehen Subkulturen: in Hinterzimmern, auf Schulfluren, in gemieteten Lofts. Ein paar Menschen beginnen, etwas auszuprobieren und finden dabei heraus, was zu ihnen passt. Mit Mut, Neugier und Kleidung, die vielleicht mal jemand anderem gehörte. FORMATION führt uns in drei solcher Räume: in einen Host Club in Tokio, an eine Mittelschule in Santa Monica und in ein Loft in Downtown New York. Drei Orte, drei Jahrzehnte, drei sehr unterschiedliche Formen des Selbermachens – festgehalten in einem Moment, in dem noch niemand wissen konnte, dass hier gerade etwas Neues entsteht.
Über die Filme:
GUERILLERE TALKS Vivienne Dick, USA 1978, 25 Min., Sprache: Englisch
Acht Super-8-Rollen, unbearbeitet, jede von ihnen ein Porträt einer Frau, die direkt in eine Kamera blickt, die sich nicht als neutral versteht. Die gerade erst nach Downtown New York gekommene Vivienne Dick richtet ihre Kamera auf Lydia Lunch, die über ihren Platz im öffentlichen Raum spricht, auf Pat Place und Adele Bertei zwischen zwei Proben und auf Ikue Mori, die sich einfach beobachten lässt. Kein Drehbuch, kaum Montage. Entstanden zu einer Zeit, als No Wave noch keinen Namen hatte.
DIRTY GIRLS Michael Lucid, USA 1996/2000, 18 Min., Sprache: Englisch
Frühling 1996, eine Highschool in Santa Monica. Die Schwestern Amber und Harper vervielfältigen ihr selbstgemachtes Zine Sour Grrrls, tragen ihre Haare absichtlich ungeordnet und werden dafür von Mitschüler:innen verspottet. Bis „Dirty Girls“ aufhört, eine Beleidigung zu sein, und zu einem Namen wird, den sie selbst wählen. Ein Mitschüler hält das Ganze mit einer geliehenen 8-mm-Kamera fest. Danach verschwindet das Material für mehr als ein Jahrzehnt, bevor es auf YouTube auftaucht, dort fünf Millionen Aufrufe erreicht und – fast drei Jahrzehnte später – im Programm der Berlinale 2026 landet.
Content Note: Der Film zeigt Mobbing und Spott gegenüber Minderjährigen; alle Beteiligten sind 13 bis 14 Jahre alt. Außerdem werden sexualisierte Gewalt und Patriarchat thematisiert.
SHINJUKU BOYS Kim Longinotto, Jano Williams, UK/Japan 1995, 53 Min., Sprache: Japanisch mit englischen Untertiteln
Kazuki, Tatsu und Gaish sind drei onnabe – ein historisch und kulturell spezifischer japanischer Begriff für Personen, die bei der Geburt dem weiblichen Geschlecht zugeordnet wurden und als Männer leben. Sie arbeiten als Hosts im New Marilyn Club in Tokio. Abend für Abend verkörpern sie die Vorstellung des idealen Freundes. Der Film begleitet die drei von der Arbeit bis nach Hause: Tatsu spricht beim Friseur über Hormoninjektionen, Kazuki probt einen Anruf bei seiner Mutter, und Gaish erzählt von der Angst, am Ende allein zu sein. Drei Menschen, die ihre Geschlechtsidentität auf ihre eigene Weise leben und gestalten.
Content Note: Thematisiert Geschlechtsangleichung, Sexualität und Homophobie.
| Regie | div. |
|---|---|
| Besetzung | div. |
| Produktion | div. |
| Länge | 96 Min |
| Sprachfassung | OF/OmeU |