PROZESSIEREN - Zwischen dokumentarischen und juristischen Verfahren

11. Januar, 08:30 - 12. Januar, 19:00

 vollständiges Programm und verbindliche Anmeldung

 Der Dokumentarfilm und die Judikative teilen einen an sie gestellten Anspruch: Beiden soll es um Wahrheit gehen – dem Ersteren in Bezug auf die Wirklichkeit, der Letzteren in Bezug auf Dimensionen von Schuld, Verantwortlichkeit und Recht. Beide übertragen konkrete Ereignisse in Bild bzw. Sprache, um (strittige) Sachverhalte überhaupt erst verhandelbar zu machen. 

Das dfi-Symposium 2024 nimmt das komplexe Verhältnis zwischen Justiz und Dokumentarfilm in den Fokus und versammelt film- und medienwissenschaftliche Perspektiven sowie aktuelle Positionen aus Fernsehen, Kino, Kunst und Literatur, um diese Beziehung zu untersuchen

 Das dokumentarische Bild als Augenzeuge 

Die Beweismacht des dokumentarischen Bildes als Augenzeuge ist seit der Entstehung fotografischer Apparaturen Gegenstand wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und auch juristischer Debatten. Die rechtssichere mediale Dokumentation von Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen beschäftigt fortwährend Justiz, Journalismus und Soziale Medien. 

Bereits die Nürnberger Prozesse oder das Strafverfahren gegen Adolf Eichmann waren als Verbund juristischer und filmisch-inszenatorischer Praktiken angelegt und wurden als Medienereignis einer (Welt-) Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Anwesenheit von Kameras bei Gerichtsverhandlungen ist allerdings die Ausnahme. Persönlichkeitsrechte und moralische Aspekte erschweren oder verunmöglichen vielerorts die Aufzeichnung von Verhandlungen, Täter*innen wie Zeug*innen.

 Das fehlende Bild 

Wie geht der Dokumentarfilm mit der Rechtsprechung um, wenn Gerichtsprozesse dokumentiert werden können, und in welcher Weise bedingen sich dabei mediale Verfahren und institutionelle Abläufe gegenseitig? Wie verhandelt der Dokumentarfilm juristische Wahrheitssuchen, die nicht gefilmt werden dürfen, und wie löst oder reflektiert er die Problematik des fehlenden Bildes? Wie kann sich der künstlerisch-politische Einspruch gegen juristische Ideen von Recht gestalten? Welche dokumentarischen Praktiken werden herangezogen, um Revision gegen gefällte Urteile einzulegen oder (un-)beendete Prozesse neu aufzurollen, selbst zum investigativen Ermittler zu werden oder die rechtliche Faktenlage in eine filmische Form zu übersetzen? 

 Auf Basis gemeinsamer Sichtungen von historischen wie aktuellen Dokumentarfilmen werden Vorträge, Podiumsdiskussionen und vertiefende Werkstattgespräche über dokumentarische Methoden sowie informelle Gesprächsrunden das Verhältnis zwischen Dokumentarfilm und rechtlichen Verfahren verhandeln. Dabei wird die Vielfalt an Ansätzen und Formen sichtbar, die der Dokumentarfilm entwickelt hat, um sich der „richterlichen Gewalt“ anzuschmiegen, sich ihr zu widersetzen oder sich mit alternativen Vorstellungen von Wahrheit und Recht auseinanderzusetzen und diese in der sozialen Wirklichkeit zu verankern. 

 Das Symposium richtet sich an Filmschaffende, Historiker*innen, Journalist*innen, Studierende und generell Filminteressierte. 

 Veranstalterin dfi-Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW e.V. 

 

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