
27. April, 19:00
Als Sohn von Entwicklungshelfern verbrachte Ulrich Köhler Teile seiner Kindheit in Afrika. Diese Erfahrung prägt sein Kino bis heute. „Schlafkrankheit" erzählte von europäischer Überheblichkeit in Kamerun, von den Grauzonen zwischen Hilfe und Herrschaft. Nun kehrt Köhler nach Afrika zurück – nicht nur geografisch, sondern vor allem analytisch: Ihn interessieren diesmal die wechselseitige Ausbeutung und die feinen Machtspiele zwischen Begehren und Schuldgefühl.
In Senegal finden Dreharbeiten einer französischen Regisseurin statt, die den Medea-Mythos radikal umdeutet. Ihre Medea (Maren Eggert) wird von einem afrikanischen Stamm versklavt. Thronfolger Jason (Jean-Christophe Folly), Vater ihrer Kinder, verstößt sie. Gespielt werden die Rollen von Maja und Nourou, die jenseits des Sets eine Affäre haben. Als der Film dann in Berlin Premiere feiert, vertauschen sich ihre Rollen: Kunst und Leben beginnen ineinander überzugehen, Machtpositionen verschieben sich.
Köhler schaut genau auf diese Asymmetrien: wie Mythen gebändigt, kolonisiert werden – und wie Gefühle zur Währung geraten. Privilegien erscheinen so nicht stabil, sie verschieben sich je nach Kontext – und liberales Schuldgefühl kann, wenn es zu viel will, Ausgeschlossene noch weiter entfremden. „Gavagai" ist eine spielerische Topografie des Missverstehens: Begegnungen voller Rassismen und Anschuldigungen, durchbrochen von komischen Zwischentönen. Ein Film über das Rutschen der Bedeutungen – und vielleicht Köhlers bislang mutigste Analyse der Gegenwart.
NRW Premiere: In Anwesenheit von Regisseur Ulrich Köhler, Produzent Ingmar Trost, sowie weiteren Gästen