
05. Dezember, 17:00
Die heimlich im Auftrag des Westfernsehens gedrehten Bilder von Aram Radomski von der Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 gingen um die Welt. Für seinen Vater, den regimekritischen Schriftsteller Gert Neumann, sind sie bis heute ein Verrat – und sein Sohn Aram ein „Agent des Westens“.
Der Konflikt reicht über drei Generationen. Während Gert Neumann aus der widersprüchlichen Biografie seiner Mutter – von der NS-Anhängerin zur DDR-Autorin – einen radikalen künstlerischen Widerstand entwickelt und dafür seine Familie verlässt, erlebt sein Sohn genau diesen Schritt als Verrat. Bis heute stehen sich beide mit unvereinbaren Deutungen gegenüber.
Der Film bringt Vater und Sohn, die den Kontakt zueinander abgebrochen hatten, in einen ebenso mühsamen wie notwendigen Dialog. In intimen Videobotschaften und Bildern reagieren Aram Radomski und Gert Neumann aufeinander und öffnen einen Raum, in dem Erinnerung, Verletzung und Widerstand neu sichtbar werden. Zwischen politischen Überzeugungen, familiären Verletzungen und der Erfahrung politischer Verfolgung suchen sie nach Verstehen – und der Möglichkeit einer neuen Begegnung.
Zu Gast im Filmhaus heute: Götz Schauder und Aram Radomski